Solidarität verteidigen! – United against Racism and Fascism

Wir unterstützen den Aufruf von We’ll Come United, dem Tribunal NSU-Komplex Auflösen und der Kampagne Nationalismus ist keine Alternative zum bundesweiten Antifra-Block am 24. August in Dresden (dieser ist unten dokumentiert). Unter dem Motto “Solidarität verteidigen! – United against Racism and Fascism” wird zur Beteiligung am gemeinsamen Block innerhalb der #Unteilbar-Demo mobilisiert, um vor den Landtagswahlen in Sachsen – und der danach zu befürchtenden Regierungsbeteiligung der AfD – ein deutliches Zeichen gegen den  Rechtsruck, gegen den grassierenden Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft zu setzen!

Schließt euch zusammen und fahrt gemeinsam zur Demo in Dresden! (Tickets für die gemeinsame Busanreise aus Göttingen gibt es im Buchladen Rote Straße.)

 

Der Aufruf:

Solidarität verteidigen! – United against Racism and Fascism
Wir haben eigentlich keine Zeit. Aber die Momente, in denen Solidarität gefragt ist, kann sich niemand aussuchen. Dies ist ein Aufruf zur Selbstverteidigung und zur Solidarität – in Sachsen und darüber hinaus. Um die Welt zu retten, müssen wir uns selber schützen. Auf Parteien, die in immer neuen Asylgesetzen staatlichen Rassismus organisieren und auf Institutionen, die Naziterror finanzieren, werden wir uns bestimmt nicht verlassen. So einfach ist das. Wenn die Rechten jetzt zeigen, zu was sie fähig sind, werden wir zeigen, dass wir zusammenhalten. Dass wir verstanden haben, was hier gerade passiert. Wir wissen, was es heißt, das eigene Leben und die eigene Existenz zu verteidigen – für viele von uns ist es nicht das erste Mal. Wir geben nicht auf. Denn wir sind hier, in Sachsen und anderswo. Wir kommen, heute und morgen und in aller Zukunft. Wem das nicht passt, wird sich daran gewöhnen müssen. Wer das verhindern will, wird einen hohen politischen Preis zahlen: Die Toten an den Außengrenzen Europas, die Mordserie des staatlich geförderten Nationalsozialistischen Untergrunds, die unzähligen Anschläge auf Geflüchtete und deren Unterkünfte, die Abschiebungen, der globale Ausbau des Lagersystems und Angriffe auf Solidaritätsinitiativen, Seenotrettung und Antifaschismus. Der Preis ist Spaltung und Entrechtung, Mauern und Gewalt. Der Preis ist die Faschisierung der Gesellschaft, die in Sachsen in vollem Gang ist. Wer diesen Prozess aufhalten will, wird im Wahl-O-Mat vergeblich nach Antworten suchen, sondern muss den Blick scharf stellen: auf die unzähligen, oft unsichtbaren Geschichten migrantischer, antifaschistischer und solidarischer Alltagskämpfe. Hier beginnt die Möglichkeit einer anderen Welt, immer und überall. Wir machen das Licht an und drehen den Ton auf: Sachsen ist gleichzeitig schlimmer und schöner als viele denken.

Das Problem heißt nicht Migration
Reden wir vom Rechtsruck. Denn nicht Migration, sondern der aufkommende Faschismus ist das Problem. Die Zustände in vielen Teilen Sachsens sind weder Überbleibsel eines vergangenen Deutschlands, noch ein Betriebsunfall des Normalen. Sie sind Teil einer rechten Kontinuität und deswegen eine mögliche Zukunft, die überall droht. Und die deshalb alle etwas angeht. Die Furcht, in manchen Orten abends auf die Straße zu gehen, der Rassismus in Schulen, die Selbstverständlichkeit des Misstrauens in Behörden und Institutionen: In Sachsen radikalisiert sich eine soziale Gewalt, die beim Rassismus beginnt, aber dort nicht Halt macht. Davon zeugen die antisemitischen Übergriffe in Chemnitz und anderswo, die Kampagnen der AfD gegen soziale Einrichtungen, Theater und die freie Kunst sowie die Angriffe auf den Feminismus und die Kämpfe von LGBTIQ*-Personen. Und die Liste der Pogrome, Fackelmärsche, Übergriffe mit polizeilicher Unterstützung ist lang: Heidenau, Freital, Wurzen, Zwickau – und seit Chemnitz fallen alle Hüllen. Verharmlost und geduldet wird das alles seit Jahren von Ministerpräsident Kretschmer, seiner CDU-Regierung und dem Verfassungsschutz. Doch die alten und neuen Rechten sind keine „besorgten Bürger“, sondern sie verbreiten Angst und Schrecken. Sie prügeln, morden und hassen uns, die Migrant*innen, die Antifas, die Jugendkultur, die Feministinnen, die Künstler*innen, die Unordnung. Sie hassen uns, weil wir anders sind oder keine Angst vor dem Anderen haben. Sie hassen, was die verkalkten Gemeinschaften der Nation, des Betriebs und der Familie in Frage stellt. Sie erklären die Gesellschaft der Vielen zum Feind und nicht die Herrschaft der Wenigen. Aber ihre Erzählung von der Ungleichheit der Menschen ist auf eine gefährliche Weise produktiv: Sie schafft die Bedingungen für gesellschaftliche Rangordnungen und die Ausbeutung entlang rassistischer und geschlechtlicher Linien. Die alten und neuen Nazis sind die Radikalisierung dessen, was uns täglich umgibt. Und sie haben mächtige Freunde. Der neue Faschismus – in Sachsen, in Polen, Italien, Brasilien oder Ungarn – fällt nicht vom Himmel, aber er wird von oben befeuert. Überall sind Reiche, Sicherheitsbehörden und Regierungen Teil der neuen rechten Konjunktur, die unten oft jubelnd empfangen wird. Sagen wir es deshalb unmissverständlich: Es gibt keine heile Gesellschaft, die wir zu verteidigen haben. Die Gesellschaft des ganz normalen Normalzustands ist eine Welt der Abschiebungen, des staatlichen Rassismus, der Kettenduldungen und Diskriminierung, der Waffenexporte, der Toten auf dem Mittelmeer und der Kriminalisierung von Solidarität.

Entscheid‘ Dich – Solidarität verteidigen!
Doch das ist nicht alles. Reden wir von uns. Es sind immer noch unglaublich viele, die jeden Tag gegen den Zeitgeist und die rechte Hegemonie ankämpfen, die sich nicht unterkriegen lassen. Menschen, die nicht den Kopf einziehen und sich wegducken, sondern ihre Rechte einfordern. In Bautzen, Döbeln, Zwickau, Chemnitz, Plauen, Borna, Görlitz, Ostritz, Dresden, Leipzig und anderswo: Es gibt das Andere, die offenen Türen und offenen Arme. Das Zusammenhalten derjenigen, die manchmal mit dem Rücken zur Wand stehen, aber noch längst nicht verloren haben. Deren Leben hier seit Jahrzehnten stattfindet, in anderen Bahnen als denen der rechten Brutalität. Und es gibt sie überall, die Geschichten unermüdlicher migrantischer und aktivistischer Selbstbehauptung. Die Geschichten all jener unter uns, die es trotz allem geschafft haben, die sich nicht haben wegschicken, abschieben und unterkriegen lassen. Viele von uns wären längst hier weg, wenn es Wohnsitzauflagen und Residenzpflicht nicht verbieten würden. Viele mussten und nicht wenige wollten bleiben. Uns gibt es hier ganz einfach – und mit uns einen selbstorganisierten, mutigen Antifaschismus und eine aktive Zivilgesellschaft, die trotz Drohungen und Einschüchterungsversuchen unmissverständlich sagen: Auch in Sachsen kann sich jede*r entscheiden – und zwar nicht bloß an der Wahlurne, sondern jeden Tag. Daran halten wir fest und das ist unsere Behauptung für das, was jetzt kommt. Gleichzeitig: Verhindern wir, dass aus dem rechten Durchmarsch eine Regierung der AfD wird – das ist das Mindeste, was jetzt und immer noch möglich ist. Fangen wir beim Naheliegenden an: Solidarität verteidigen, zusammen und in neuen Koalitionen. Solidarität ist mehr als ein Wort. Solidarität ist die schönste Beziehung der Welt. Solidarität heißt, dass unsere unterschiedlichen Geschichten kein Hindernis für einen gemeinsamen Kampf sind. Im Gegenteil. Die Lust an diesem gemeinsamen Kämpfen ist mehr als eine Verzweiflungstat. Sie kann der Beginn einer großartigen Freundschaft sein. Einer Freundschaft der selbstorganisierten Gruppen und Initiativen, die sich nicht den Mund und das Leben verbieten lassen, die sich trauen zu sagen was ist. Und die dem Rechtsruck nicht hinterherlaufen, sondern ihm im Alltag die Stirn bieten. Wir sind mehr als wir denken!

Solidarität mit der Heinrich-Heine-Straße 1!

Die Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen verklagt eine Mieterin wegen des Aufhängens einer Fahne mit der Aufschrift “Kein Mensch ist illegal”. Diese hatte die Mieterin zeitweise aus einem Fenster ihrer Mietwohnung in einem Genossenschaftshaus in der Heinrich-Heine-Straße gehängt. Nun muss sie sich vor dem Amtsgericht Göttingen in einem Verfahren rechtfertigen. Wir halten es für einen handfesten Skandal, dass eine Wohnungsgenossenschaft ihre Mieter_innen verklagt, wenn diese sich solidarisch mit illegalisierten Menschen erklären.

In einer Gesellschaft, in der Rassismus und Nationalismus weiter erstarken, eine neofaschistische Partei wie die AfD Aussichten auf Landesregierungsbeteiligungen ab dem kommenden Herbst hat und Nazis unbehelligt morden, sind solche Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen von Ausgrenzung und Unterdrückung so wichtig.

Auch die Tatsache, dass ein Eintreten für die von der Bundesrepublik hochgelobten Grund- und Menschenrechte und ein Bekenntnis zu zivilisatorischen Mindeststandards kriminalisiert und als vermeintlich “radikal” gelabelt wird, zeigt, dass es sich bei Nationalismus und rassistischer Ausgrenzung mitnichten nur um Positionen rechtsradikaler Akteur_innen handelt. Teile unserer selbsterklärten gesellschaftlichen “Mitte” und der von ihr konstituierten Regierung haben es auch ohne AfD geschafft, die Bundesrepublik und Europa abzuschotten, Fluchtrouten zu blockieren, sowie Verelendung und Massensterben an den EU-Außengrenzen voranzutreiben.

Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

(B. Brecht)

Die Betroffene ließ zu dem Fall folgendes verlauten: “Sich in diesen Zeiten zu grundlegenden Menschenrechten zu bekennen und im sprichwörtlichen Sinne ‘Flagge zu zeigen’ gegen Ausgrenzung ist ein Mittel für eine solidarische Wohnatmosphäre, ein solidarisches Miteinander und nicht zuletzt ein öffentliches Eintreten gegen strukturellen Rassismus. Sich gegen die Verrohung und den Rechtsruck unserer Gesellschaft zu wenden, sollte grundsätzlich nicht kriminalisiert werden, schon gar nicht – völlig unnötig – durch die Wohnungsgenossenschaft gegenüber einem ihrer Mitglieder.” Zahlreiche Genossenschaftsmitglieder und Mitbewohner_innen der Heinrich-Heine-Straße 1 unterstützen dieses Statement und haben kein Verständnis für das Vorgehen der Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen.

Wir verurteilen das Vorgehen der Wohnungsgenossenschaft aufs Schärfste und erklären uns solidarisch mit der betroffenen Mieterin. Sollte die Wohnungsgenossenschaft bei ihrer Klage bleiben und in Zukunft weiterhin beabsichtigen, solidarische Prinzipien über Bord zu werfen und Repressionen gegen ihre Mitglieder zu veranlassen, stellt sich für uns die Frage, ob eine Umbenennung in “Wohnungsschaft” nicht ratsam wäre, liebe “Genossen”.

Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall!

das Hausprojekt Goßlerstraße 17_a

Grundlagen schaffen – “Basisarbeit” an der Gosse

Nach dem Abriss des alten Fachwerks, sowie seines Betonsockels, geht es nun in die heiße Phase! Am Mittwochnachmittag wurde unser neues, vergrößertes Fundament mit Beton vergossen und verbringt nun die nächsten Tage damit, entspannt in der Sonne zu trocknen. Damit wäre dann die solide Grundlage für den Wiederaufbau unserer Wintergärten geschaffen, mit dem wir in der kommenden Woche anfangen können, sobald das Holz für unser neues Fachwerk geliefert wird.

In der Gosse gegossen: Fundament statt Fundamentalismus

Wir solidarisieren uns mit den Bewohner*innen der Untere-Masch-Straße 13 in Göttingen

Sozialen Wohnraum in der Göttinger Innenstadt erhalten – Die Spekulationspläne des Immobileninvestors Coreo Real Estate stoppen – Das Hausprojekt Goßlerstraße 17/17a solidarisiert sich mit den Bewohner*innen der Untere-Masch-Straße 13 in Göttingen

Wir als Hausprojekt Goßlerstraße 17/17a solidarisieren uns mit der Bewohner*inneninitiative des Hauses Untere Masch 13 in Göttingen. Diese haben sich vor einigen Tagen mit ihrem Offenen Brief „Kleine Fische gegen Miethaie“ an die Sozialdezernentin der Stadt Göttingen, Frau Broistedt, gewandt. Wir unterstützen ausdrücklich den Kampf der Bewohner*innen gegen die drohenden unsozialen Entmietungen und Verdrängung durch den Immobilieninvestor Coreo Real Estate.

Nachdem der regionale Immobilienbesitzer Heinz Meyer GbR das Haus Untere Masch Straße 13 über Jahre verfallen lassen aber von den Bewohner*innen hohe Mieten genommen hat, wurde es nun vor einigen Monaten mit Billigung der Stadt Göttingen an den Immobilieninvestor Coreo Real Estate mit Sitz in Frankfurt verkauft. Coreo will nun ordentlich aufwerten und mit dem Haus Profite machen. Dafür setzt es die im Haus wohnenden Menschen massiv unter Druck auszuziehen und der „notwendigen Kernsanierung“ und anschließenden besserzahlenden Neumieter*innen Platz zu machen.

Einige Bewohner*innen konnten dem Druck durch Coreo nicht standhalten und sind ausgezogen, die übrigen haben eine Bewohner*inneninitiative gegründet und kündigten in ihrem Offenen Brief an die Stadt an sich nicht verdrängen zu lassen. In ihrem Brief beschreiben sie die Mängel am Haus und fordern die Stadt Göttingen endlich aktiv zu werden. Wir unterstützen diese Forderung. Die Bauverwaltung der Stadt Göttingen muss die von Coreo geplanten Sanierungen und Vorhaben solange stoppen bis das Unternehmen die im Offenen Brief aufgeführten Missstände im Haus beseitigt und ein Konzept vorgelegt hat, in dem den Bewohner*innen der Untere-Masch-Straße 13 eine Bleibemöglichkeit zugesichert wird. Darüber hinaus muss die Stadt Göttingen endlich der Spekulation durch Immobilieninvestor*innen wie Coreo auf dem Rücken der Göttinger Bewohner*innen einen Riegel vorschieben und sozialen und bezahlbaren Wohnraum konsequent erhalten und fördern.

Wir unterstützen die Forderungen der Bewohner*inneninitiative der Untere Masch Straße 13 – Für viele kleine Fische gegen Miethaie wie Coreo!
Göttinger Bewohner*innen sind kein Spekulationsobjekt!
Die Häuser denen die drin wohnen!

Pressekontakt:
gosse@riseup.net

Sommer, Sonne, Antifa-Cup!

Es ist und bleibt weiterhin spannend im Mai in Göttingen und rund um die Gosse. Bei strahlendem Sonnenschein, kühlen Getränken und einem grandiosen Soli-Buffet haben wir gestern den alljährlichen Antifa-Cup ausgetragen. Nach Blockadeaktionen des Teams Ende Gelände Göttingen, einem Platzsturm der Rhythms of Resistance Gruppe und Nazi-Cliquen-Kegel-Abschiessen (Sallies und Do-Theke rocken!) standen am Ende die glücklichen Gewinner*innen fest: Unsere Friends aus der Juzi-Soliküche haben von allen acht Teams am meisten geglänzt! Glückwunsch und wir freuen uns auf den Antifa-Cup mit euch im nächsten Jahr!

Love football – hate fascism!

Andere Wege gehen…

Es ist Sommer, unser saftig grüner Rasen im Gossen-Garten lädt zum Draußen liegen und quatschen ein und wir merken, dass wir unseren Garten gerne mehr für uns haben möchten mit mehr Privatsphäre und Rückzugsraum. Darum findet ihr an den Eingängen zu unserem Garten jetzt neben schicken neuen Gartentoren folgende Schilder:

Liebe Passant_innen

wir wünschen uns mehr Privatsphäre in unserem Garten, deshalb nutzen Sie bitte in Zukunft andere Wege. Gleich neben der Kita oder ab dem Kreuzbergring gibt es Alternativen.

Vielen Dank für Verständnis!

Die Hausgemeinschaft der Goßlerstraße 17_a

Aber unsere Gartentüren ist nicht verschlossen und steht für alle unsere Freund*innen, Nachbar*innen und interessierte Menschen natürlich offen. Wir freuen uns riesig wenn ihr vorbeikommt und uns besucht!

Alles neu macht der Mai – Baustelle in der Gosse17/17a ist gestartet!

Wir haben am Mittwoch mit der sozialverträglichen Luxussanierung unser Wintergärten in Eigenarbeit begonnen. Zuerst aber einmal hieß es Abriss, Abriss, Abriss (bevor sie einstürzen). In den kommenden zwei Monaten werden wir die Wintergärten Stück für Stück, größer und schicker wieder aufbauen. Für die nächsten 100 Jahre selbstverwaltete Gosse! Wir sind gespannt.

Kommt vorbei, schauts euch an und helft mit, wenn ihr wollt. Die Häuser denen, die drin wohnen!

Pressemitteilung: Aus dem Mittelmeer gerettete Menschen aufnehmen? – Eine Sache der Selbstverständlichkeit!

Pressemitteilung vom 4. April 2019

Aus dem Mittelmeer gerettete Menschen aufnehmen? – Eine Sache der Selbstverständlichkeit!

Das Göttinger Hausprojekt OM10, das zugleich ein wichtiger Ort der
Begegnung von Menschen mit und ohne Fluchthintergrund ist, erklärte sich
im Februar 2019 öffentlich dazu bereit, drei aus dem Mittelmeer
gerettete Menschen aufzunehmen und für ihre Versorgung aufzukommen
(siehe Pressemeldung der OM10 vom 12.2.2019). Mit diesem Vorhaben
wollen wir, das Hausprojekt Goßlerstraße 17/17a, uns solidarisch
erklären. Außerdem erklären wir uns hiermit als Projekt dazu bereit, die
OM10 bei ihrem Vorhaben nach besten Kräften zu unterstützen und nach
unseren Möglichkeiten und zu gegebener Zeit auch selbst Menschen bei uns
im Haus aufzunehmen und für deren Versorgung aufzukommen.

Denn auch wir beobachten mit Entsetzen die Folgen der europäischen
Asylpolitik, die lebensgefährliche Ignoranz und das aktive Verhindern
von Seenotrettung – bis hin zu deren massiver Kriminalisierung. Dem
wollen wir gemeinsam mit anderen solidarischen Akteur*innen aus
Göttingen und anderswo etwas entgegensetzen und die Verantwortung, die
Staaten aus politischem Kalkül fallenlassen, mit politischem Druck auf
die Verantwortlichen und eigener Initiative zur Unterbringung selber in
die Hand nehmen.
Menschen, die aufgrund von Krieg, politscher Verfolgung, Klimawandel,
wirtschaftlicher Not oder aus anderen Gründen gezwungen werden, ihr
Herkunftsland zu verlassen, müssen anschließend meistens unter prekären
Lebensbedingungen leben. Unterstützung von Menschen, die Hilfe suchen,
ist eine Frage der Menschlichkeit und muss unabhängig von Nationalität,
Gender oder Religionszugehörigkeit selbstverständlich sein. Dazu gehört
auch die Bereitstellung von angemessenem und menschenwürdigem Wohnraum,
die sowohl Schutzraum als auch eine Basis für eine Teilhabe an der
Gesellschaft sind.

Die Verantwortung, die entsprechenden Rahmenbedingungen für die Aufnahme
von geflüchteten Menschen, zu schaffen, liegt eigentlich nicht bei uns,
sondern bei den EU-Staaten. Sowohl auf nationaler als auch auf
internationaler Ebene ist jedoch zu erkennen, dass politische
Entscheidungsträger*innen ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, sondern
ganz im Gegenteil die rassischtische Ausgrenzung und rechtspopulistische
Mobilmachung durch Politiker*innen zunimmt. Dies äußert sich
beispielsweise in der systematischen Verweigerung des Anlegens und der
Beschlagnahmung von Seenotrettungsschiffen in Häfen der europäischen
Mittelmeergrenze und dem Inkaufnehmen des Ertrinkens von Menschen in
Seenot. Durch Billigung und Beförderung dieser menschenverachtenden
Politik verfehlt die Europäische Union nicht nur ihre Aufgabe der
humanitären Hilfeleistung, sondern blockiert auch noch solidarische
Hilfe von privaten Organisationen.

Auch die Stadt Göttingen übernimmt auf lokaler Ebene nur unzureichend
Verantwortung für Unterbringung und Versorgung von Geflüchteten in der
Stadt. Dies wird zum Beispiel an der unhaltbaren Weiterführung des
Lagers Siekhöhe ersichtlich. Eine ehemalige Lagerhalle kann schwerlich
als ein Raum der Sicherheit benannt werden. Ganz im Gegenteil macht die
isolierte Lagerunterbringung wie auf der Siekhöhe in Göttingen diese
Menschen unsichtbar, verhindert gesellschaftliche Teilhabe, nimmt
jegliche Selbstbestimmung bzgl. der Lebensbedingungen und fördert die
ohnehin starke psychische Belastung dieser Menschen. Das Lager Siekhöhe
muss sofort geschlossen werden! Auch eine ausstehende Erklärung der
Stadt und des Stadtrates Göttingen zu einem „Sicheren Hafen“ ist
überfällig.

Praktische Solidarität mit geflüchteten Menschen vonseiten des Staates
und der Stadt ist erwiesenermaßen keine Selbstverständlichkeit, was das
besondere Engagement sozialer Projekte wie der OM 10 umso wichtiger
macht.

Stoppt das Massensterben an den europäischen Grenzen! Jedes
Menschenleben zählt!
Für eine starke, solidarische Bewegung für freie Migration in Göttingen
und überall!

Das Hausprojekt Goßlerstraße 17/17a

Kontakt: gosse@riseup.net
gosslerstrasse17a.noblogs.org

Wir als Hausprojekt Gosslerstrasse 17/17a solidarisieren uns mit der Roten Strasse!

Im Folgenden die Pressemitteilung des Hausprojekts Goßlerstraße 17/17a zum gestrigen Offenen Brief der Bewohner*innen der Roten Straße an das Studentenwerk Göttingen:

Pressemitteilung, 11.12.2018

Das Hausprojekt Goßlerstraße 17/17a erklärt sich solidarisch mit den Bewohner*innen der Häuser in der Roten Straße und unterstützt deren Forderung an das Studentenwerk Göttingen, nach der die Sanierungsarbeiten an den Gebäuden bedingungslos zum 1. April 2019 zu beginnen haben.

Die Hausbewohner*innen der selbstverwalteten Wohnheime in der Roten Straße hatten am gestrigen Montag, den 10. Dezember, einen offenen Brief an die Vorsitzende des Stiftungsrats des Studentenwerks, Ulrike Beisiegel, sowie an den Geschäftsführer des Studentenwerks, Jörg Magull, verfasst. Darin machten sie unter anderem öffentlich, dass das Studentenwerk nun beabsichtigt , die bereits zugesagte Sanierung der Häuser ab April 2019 nun an die Unterschrift von neuen Mietverträgen zu Ungunsten der Bewohner*innen zu knüpfen. Und das mit der Drohung, dass sich ansonsten der Sanierungsbeginn hinauszögere.

Bei den Bewohner*innen des Hausprojekts Goßlerstrasse 17/17a stößt dieses Vorgehen auf Unverständnis: „Nachdem sich das Studentenwerk in den Verhandlungen mit uns größtenteils sehr kooperativ gezeigt hat, hatten wir gehofft, dass dies richtungsweisend für eine künftig deeskalative und konstruktive Haltung des Studentenwerks gegenüber den anderen selbstverwalteten Wohnheimen in Göttingen sei. Den nun an den Tag gelegten, konträren Umgang mit den Hausbewohner*innen der Roten Straße können wir in keinster Weise nachvollziehen“, erklärt Janna Winterdorf, eine Bewohnerin des Goßlerstraße 17a.

Nachdem der jahrelange Kampf um die Sanierung sowie die Mietsituation in der Roten Straße vor einem Jahr – mit Unterstützung breiter Teile der Göttinger Bevölkerung – dazu führte, dass das Studentenwerk den Beginn der Sanierungen für den 1. April 2019 angekündigt hatte, sollen diese nun an Bedingungen für die Bewohner*innen geknüpft werden. So enthalten die vorgelegten Mietvertragsentwürfe unter anderem eine Mietsteigerung um mindestens 160 Prozent, sowie eine Staffelmiete, die eine sukzessive Mietenerhöhung in den Häusern zur Folge hätte.

„Wir als Hausprojekt sind Teil der gemeinsamen Kämpfe um langfristig bezahlbaren Wohnraum in Göttingen. Die vom Studentenwerk Göttingen angestrebten Mieterhöhungen im Rahmen der Sanierung der Roten Straße hätten zwangsläufig eine Verdrängung einkommensschwacher Mieter*innen aus der Innenstadt zur Folge. Aus diesem Grund lehnen wir ein Hochtreiben der Mieten ganz klar ab.“, betont Winterdorf.

Hausbewohnerin Luca Wolf ergänzt: „Wir solidarisieren uns mit den Bewohner*innen der Roten Straße und fordern das Studentenwerk dringend auf, die Mieterhöhungen zurückzunehmen und den bereits angekündigten, bedingungslosen Beginn der Sanierungen zum 1. April 2019 nicht zum Scherz verkommen zu lassen.“

Pressekontakt:

gosse@riseup.net